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Akupunktur kann Augenerkrankungen lindern

Das Sehvermögen ist für die meisten Menschen wohl der wichtigste Sinn.  Doch fast jeder Mensch erkrankt irgendwann an einem Augenleiden. Mit alternativen Behandlungsverfahren wie der Augen-Akupunktur können viele typische Symptome gelindert  werden.

Die Vorstellung, zu erblinden oder sein Augenlicht zu verlieren, ist für die meisten Menschen erschreckend. Eine starke Einschränkung des Sehvermögens wird von den meisten Menschen schlimmer empfunden als der Verlust des Tast-, Geruchs-, Hör- oder Geschmackssinns. Jeder, der einmal versucht hat, sich mit geschlossenen Augen in seiner unmittelbaren Umgebung zurecht zu finden, weiß, wie schwierig dies ist und wie wichtig die Augen für unsere Orientierung sind. Schon leichte oder mittelschwere Störungen des Sehvermögens haben bereits unmittelbare, teils drastische Auswirkungen auf unsere Lebensqualität. Leider sind Augenkrankheiten keine Seltenheit. 90 % aller Menschen bekommen im Laufe ihres Lebens ein Augenleiden. Man denke nur an die Alterssichtigkeit, von der ja kaum jemand verschont bleibt.

Viele Augenleiden lassen sich behandeln

Der Graue Star (fachsprachlich Katarakt genannt) trifft im Alter früher oder später fast ausnahmslos jeden. Hervor gerufen wird dieses Leiden durch eine Linsenalterung, die eine Trübung der ursprünglich klaren Augenlinse bedingt. Sie führt dazu, dass das gesehene Bild immer mehr an Schärfe verliert. Menschen mit einem Grauen Star haben das Gefühl, als ob sie durch einen Schleier sehen, der immer dichter wird. Während mehr als 90 % der Deutschen diese Erkrankung den Namen nach kennen, ist den wenigsten Deutschen die häufigste Ursache für Altersblindheit bekannt: die Makuladegeneration (abgekürzt AMD genannt). Dabei wird zwischen „trockener“ und „feuchter“ Verlaufsform unterschieden. Mit ca. 85% ist die trockene AMD jedoch weitaus häufiger. Bei dieser Form kommt es über Jahre zum Verlust der lichtempfindlichen Zellen, die sich in der Netzhaut des Auges befinden. Nach und nach verschlechtert sich somit das Sehvermögen, wobei die Lesefähigkeit meist noch recht lang erhalten bleibt. Als Hauptursache für ihre Entstehung dieser Erkrankung gilt aggressives Sonnenlicht.

Für die degenerativen Entwicklungen am Auge sind aber auch noch weitere Faktoren verantwortlich. So sind sie meist Folge mangelhafter Durchblutung und Stoffwechselstörungen des Organismus. Begünstigt wird dies häufig durch eine ungesunde Lebensweise, wie schlechte Ernährung, Rauchen und vieles mehr. „Das Auge steht oft erst am Ende einer langen Kette von Symptomen, die vom Patienten nicht oder zu spät erkannt werden“, schreiben Hans-Peter Wutta und Karin Brucker in dem Buch „Gesunde Augen“. Gerade die Makuladegneration galt bei den Schulmedizinern bisher als fast unheilbar. Doch mittlerweile weiß man, dass es eine Reihe an Verfahren gibt, die zu positiven Verbesserungen bei Augenerkrankungen führen können.

Die Augen-Akupunktur ist das derzeit erfolgreichste alternative Behandlungsverfahren bei Augenerkrankungen

Bei Augenleiden hat sich die die Augen-Akupunktur als die erfolgreichste aller alternativen Behandlungsmethoden erwiesen. Mit diesem neuen naturheilkundlichen Verfahren konnten erstmals erhebliche Verbesserungen in der Behandlung von Augenerkrankungen wie Grauer Star, Altersweitsichtigkeit und Makuladegeneration aber auch Grüner Star und Netzhauterkrankungen erzielt werden. Keine Angst, bei dieser Behandlungsmethode werden keine Nadeln in die Augen gesteckt. Vielmehr werden bei diesem ganzkörperlichen Verfahren verschiedene Punkte an Hand-, Fußsohlen und Knien akupunkiert. Das Besondere an dieser Methode ist, dass es sich dabei um eine Zusammenstellung verschiedener Punkte aus unterschiedlichen Mikro- und Akupunktursystemen handelt, die im Laufe der letzten dreißig bis vierzig Jahre von einer Reihe von Fachleuten und Heilkundlern aus aller Herren Länder entwickelt worden sind. Dabei gilt das ECIWO-System unter Fachleuten als die bedeutendste Methode in der Augen-Akupunktur. ECIWO ist eine Abkürzung und steht für Embryo Contains information of the whole organism (zu Deutsch: Ein Embryo enthält die Information des gesamten Organismus). Seine Wirksamkeit wurde in zahlreichen Studien an über einer Millionen Menschen wissenschaftlich nachgewiesen und dokumentiert. Auch der Kieler Arzt Hans-Peter Wutta hat 106 Patienten in einer auswertbaren Statistik zusammen gefasst und festgestellt, dass bei Männern zu 80 % und bei Frauen zu 91% eine Verbesserung des Sehens durch Augen-Akupunktur erzielt werden kann.

Die alternative Behandlungsmethode ist nicht mit der Körperakupunktur der Traditionellen Chinesischen Medizin zu verwechseln. Die beiden Methoden unterscheiden sich darin, dass in der TCM auf Meridianen gearbeitet wird, und in der ECIWO Akupunktur an den Röhrenknochen. Dabei erkennt man in einem Röhrenknochen ein Mikrosystem, auf dem sich der ganze Körper abbildet. In der Augen-Akupunktur wird das ECIWO-System am zweiten Mittelhandknochen in zwei unterschiedlichen Stichtechniken genadelt. Die Regionen des Röhrenknochens in der Mittelhand entsprechen eins zu eins den Regionen oder Organen des gesamten Körpers. Die ausgewählten Punkte stehen mit dem Auge, der Leber, Niere und Bauchspeicheldrüse in Verbindung. All diese Organe haben einen Bezug zum Auge. Desweiteren werden Akupunkturpunkte an den Knien und an den Füßen, sowie an der Stirn genadelt. Die meisten Patienten haben nach dem Nadeleinstich eine sehr kurze, aber heftige Reaktion. „Es ist wie ein elektrischer Schlag“ oder „es ist als ob es den ganzen Arm entlang sehr warm wird“, berichten einige. Wärme, Kälte, elektrischer Strom, errötetes Gesicht, Kribbeln, sind dabei die häufigsten Effekte nach einer Akupunktur. Diese Reaktionen sind allesamt positive Anzeichen für die starke Wirksamkeit der Behandlung. Noch 30 Tage nach einer Akupunktursitzung konnte man anhand von Veränderungen der Blutzusammensetzung diese nachweisen. Da es wichtig ist, sofort eine starke Reizsetzung hervorzurufen, werden in vielen Fällen in den ersten Tagen jeweils zwei bis drei Akupunktursitzungen durchgeführt. In welchen Zeitabständen weiter akupunktiert wird, entscheidet der jeweilige speziell ausgebildete Therapeut.

Info:  Beim Bund Deutscher Heilpraktiker e.V. erfahren Sie, wo man einen gut ausgebildeten Augen-Akupunkteur finden kann.

 

„Ich bin immer auch der andere“

Die Philosophin Ariadne von Schirach beschreibt die emotionale Grundstruktur und den kommunikativen Stil von sechs menschlichen Charakteren. Dabei kann man sich selbst und andere besser verstehen und kennenlernen.

bl: Wie sind Sie auf den Titel „Ich und Du und Müllers Kuh“ verfallen?

von Schirach: Man kann das Buch als Nachdenken über verschiedene Beziehungen verstehen, also den Umgang mit sich, dem Anderen und der Welt. Diese drei Ebenen spiegeln sich auch in diesem alten Abzählreim. „Ich und Du und Müllers Kuh; Müllers Esel der bist Du“. Wir sind alle mal bei uns, mal ganz anders und immer mal wieder: Müllers Kuh oder Esel.

 

bl: An wen richtet sich Ihr Buch und was ist die Intention Ihres Buches?

von Schirach: Jeder Mensch ist eine Gesellschaft, sagt Sigmund Freud. In der Charakterkunde geht es deshalb nicht darum, sich und andere in Schubladen zu stecken, sondern darum, den vielen widersprüchlichen Impulsen und Stimmen in sich Raum und Gestalt zu geben. Und dadurch letztlich nicht nur sich, sondern auch seine Mitmenschen besser zu verstehen.

 

bl: Warum haben Sie als studierte Philosophin ein psychologisches Buch über die sechs Hauptcharaktere geschrieben?

Ariadne von Schirach: „Erkenne dich selbst“ stand über dem Orakel von Delphi und war das Credo von Sokrates. Wenn wir die Welt, unsere Gesellschaft und unsere Mitmenschen verstehen wollen, müssen wir bei uns selbst anfangen. Und dort finden wir immer das Gleiche. Widersprüche und Ambivalenzen, das vielstimmige Konzert unserer Lebendigkeit.

 

bl: Sie schreiben, dass Sie diese Charaktertypen als Gestalten, gewissermaßen als Figuren sehen. Können Sie bestimmte Filmfiguren oder bekannten Personen ihren sechs Typen zuordnen?

von Schirach: Dieser Versuchung würde ich, was die realen Vorbilder angeht, gerne widerstehen, obwohl man mit Donald Trump gerade einen Vollblutnarzissten in action beobachten kann. Aber blicken wir mal ins Fiktionale: Der einsame Wolf beispielsweise in Gestalt von Batman ist eher schizoid, gnadenlose Bürokraten wie Stromberg tragen zwanghafte Züge. Bei Sherlock Holmes ist Watson ein Depressiver, während Holmes ein Schizoider ist. Man könnte allerdings darüber sprechen, ob dieser nicht auf schon narzisstische Weise das Bild des unfehlbaren Detektives bedient. Obwohl es verführerisch ist, seine Mitmenschen zuzuordnen, sollte man sich bewusst sein, dass nur der Blick nach innen zu echtem Verständnis und damit auch zu mehr Toleranz und einem liebevolleren Umgang führt. Man selbst ist eben auch so einer. In jedem Menschen sind alle Strukturen angelegt, deshalb können wir uns tatsächlich verstehen. Jeder hat schon mal die Kontrolle verloren, tiefe Unsicherheit gespürt oder ist schon einmal strahlender Mittelpunkt von irgendwas gewesen, wie es der Hysteriker so kindisch einfordert, und jeder stand schon mal traurig im Abseits, wo sich der Depressive verordnen würde.

IB: Hinter allen Charakterformen stecke Leid, schreiben Sie in Ihrem Buch. Diese Einsicht sei die Voraussetzung, um sich mit Menschen zu solidarisieren und sie überhaupt verstehen zu wollen. Müssen wir uns auch mit Menschen, die wir unsympathisch finden, solidarisieren?

von Schirach: Wir Menschen wachsen am Widerstand, und finden oft erst über dem Umweg des Anderen zu uns selbst. Zudem ist meist das, worauf man besonders allergisch ist, etwas, das man über sich selbst nicht wissen will. Eigener menschlicher Fortschritt zeigt sich ebenfalls meist als wachsende Toleranz „schwierigen“ Mitmenschen gegenüber. Wenn einen nichts mehr stört, ist man angekommen. Bis zur nächsten Krise (lacht).

Wann hört denn Ihr Verständnis für Menschen auf?

von Schirach: „Ich bin ein Mensch, nichts Menschliches ist mir fremd“. Auch dieser Satz beruht auf Selbsterkenntnis – nur wenn ich meine eigene Dunkelheit, also meine Gier, meine Eitelkeit, meine Bequemlichkeit und den ewigen Wunsch, etwas Besseres zu sein, anerkenne, verstehe ich den Anderen, anstatt ihn von oben herab zu beurteilen. Hier, in meiner eigenen Seele, werden auch die ersten und die wichtigsten Schlachten geschlagen, denn Verständnis bedeutet eben nicht Akzeptanz. Es gibt Dinge, die kann man verstehen, aber man darf sie nicht zulassen: weder bei sich noch bei Anderen.

  • „Verständnis bedeutet eben nicht Akzeptanz“

Zu welchen der sechs Hauptcharaktere würden sie sich denn selber zählen?

von Schirach: Es ist mir wirklich gleichgültig, was andere von mir denken und doch will ich ihnen unbedingt gefallen. Bei mir trifft also schizoide Eigenständigkeit auf hysterische Aufmerksamkeitswünsche. So kann man sich wirklich gründlich im Weg stehen – bis man mal genauer hinschaut. Nur wer seine eigenen, oft eben widersprüchlichen Bedürfnisse kennt und zulässt, kann sie leben. Für mich bedeutet das, dass ich den Schizoiden in mir die Bücher schreiben lasse, den Hysteriker immer mal wieder auf die Bühne ins Rampenlicht schicke und ich dem in meinem Leben lange eher vernachlässigten depressiven, Zeit gebe, um mich für dessen Tugenden zu öffnen: Vertrauen haben, geschehen lassen, lieben lernen.

Und wie geht man am besten mit Ihnen um?

von Schirach: Behandle den anderen stets so, wie du selbst behandelt werden möchtest. Dem ist nicht viel hinzuzufügen.

INFO: Ariadne von Schirach studierte Philosophie in München und Berlin. Sie arbeitet als freie
Journalistin und Kritikerin und wurde als Autorin der Sachbuch-Bestseller „Der Tanz um die Lust“ und „Du sollst nicht funktionieren“ bekannt

Arthrose natürlich lindern

Glaubt man der Schulmedizin, so sind Gelenkerkrankungen nicht heilbar. Dass es durchaus Grund zur Hoffnung gibt, davon sind hingegen viele Naturheilkundler überzeugt.

Mit der Diagnose „Arthrose“ kann eigentlich mehr oder minder jeder rechnen, der
über Fünfzig ist. Schließlich handelt es sich dabei um eine altersbedingte Abnutzungs-erscheinung, also eine degenerative Erkrankung. Dabei verringert sich nach und nach die Knorpelschicht im Gelenk, bis irgendwann Knochen auf Knochen reibt. Wenn der Knorpel nicht mehr ausreichend als Stoßdämpfer fungieren kann, gleiten die Gelenkflächen spürbar schlechter aufeinander. Der Bewegungsablauf läuft im wahrsten Sinne nicht mehr reibungslos ab. Steifheit und akute aber auch Dauerschmerzen bei Belastung sind die Folge. Auch Schwellungen im angrenzenden Muskelgewebe treten häufig auf.

Später kann es im Gelenkbereich zu Verformungen und knotigen Veränderungen kommen. Und je weiter die Krankheit fortschreitet, desto größer sind meist auch die Schmerzen.

Im Prinzip kann jedes Gelenk durch Abnutzung spröde werden und damit seine Beweglichkeit verlieren. Am häufigsten sind jedoch die Gelenke betroffen, die am stärksten belastet sind, also vor allem Hüft- oder Kniegelenke. Gelenkerkrankungen können ihre Ursache beispielsweise in einer Überbelastung oder mechanischen Fehlstellung, wie dies bei O- oder X-Beinen der Fall ist, haben. Aber auch Verletzungen können dafür verantwortlich sein. So kann sich beispielsweise
nach einer Meniskusoperation der Knorpel im Kniegelenk schneller abnutzen, wenn das Kniegelenk danach deutlich mehr beansprucht wird.

Doch weitaus häufiger spielen andere Faktoren bei der Entstehung einer Arthrose
eine Rolle. So erhöhen Bewegungsmangel, Übergewicht, schlechte Ernährung und Stress, eine angeborene Bindegewebsschwäche und eine genetische Veranlagung die Wahrscheinlichkeit, an Arthrose zu erkranken. Wissenschaftler konnten eine Reihe von Erbfaktoren identifizieren, welche den Stoffwechsel im Knorpelgewebe steuern und es anfällig für eine Arthrose machen.

Wie wirkungsvoll sind Injektionen?
Was kann man aber tun, um die Krankheit aufzuhalten oder gar zu heilen? Eigentlich nichts, meinen die meisten Schulmediziner. Fast alle sind überzeugt, dass eine Arthrose nicht heilbar ist, da man sie nicht rückgängig machen kann. Schmerzen behandelt man mit Kortison und sogenannten „Nichtsteroidale Antirheumatika“. Sie unterdrücken zwar die Produktion von körpereigenen Schmerz- und Entzündungsstoffen, sind aber wegen ihrer Nebenwirkungen recht umstritten. Patienten mit Herz- oder Nierenproblemen dürfen sie nicht einnehmen.

Um die Beweglichkeit zu erhalten und somit eine Versteifung der Gelenke zu verhindern, sind passive Therapien wie Massage, Wärme- oder Kältebehandlung sowie Elektro- und Ergotherapie können helfen. Aber zu oft machen Betroffene die Erfahrung, dass sie um solche Verschreibungen regelrecht kämpfen müssen. Im späteren Verlauf der Erkrankung gibt es dann meist nur eine Lösung: Ein künstliches Gelenk muss implantiert werden. Bis dahin versuchen einige Orthopäden mit Injektionen aus Hyaluron oder Kortikoiden, die Knorpelschicht künstlich aufzufüllen. Mit geringem Erfolg. Spritzen sind auf längere Sicht meist wirkungslos, wie eine Untersuchung zeigt (…)

Sanfte Hilfe bei allergischer Augenreizung

Viele Medikamente versprechen Linderung, wenn die Augen geschwollen sind, jucken und brennen. Doch diese haben ihre Nachteile und nicht immer sind sie vonnöten. Oft können auch sanftere Mittel helfen.

Fast jeder Mensch sehnt sich nach dem Frühjahr, den ersten wärmenden Sonnenstrahlen, dem ersten sprießenden Grün. Nicht so Franziska K., sie ist froh, wenn diese Jahreszeit vorbei ist. Vor die Tür traut sie sich nur mit großer Sonnenbrille. Auch im Geschäft, in dem die Modeverkäuferin arbeitet, behält sie diese auf. Der Grund dafür: Wie viele Heuschnupfen-Geplagte leidet die 42-Jährige an einer allergischen Augenreizung, die durch Blüten- oder Gräserpollen ausgelöst wird.  Geraten die Schleimhäute von Nase und Augen in Kontakt mit der allergen-auslösenden Substanz weiten sich die feinen Blutgefäße und Flüssigkeit tritt aus. Rötung, Schwellung, Schnupfen und Tränenfluss sind die Folge. Erst wenn die Tränen die Allergene aus den Augen gespült haben, lassen die Beschwerden allmählich nach.

Wenn das Immunsystem überempflindlich reagiert

Was viele nicht wissen: Es sind nicht die Allergene selbst, sondern die körpereigenen Stoffe wie beispielsweise das Histamin, die diese Beschwerden hervorrufen. Der Organismus bekämpft die Pollen wie schädliche Krankheitserreger. Die Immunzellen schütten entzündungsfördernde Substanzen aus, die dem Organismus zusetzen. Deshalb zählt die Pollenallergie auch zu den Autoimmunerkrankungen. Damit die Bildung dieser Botenstoffe verhindert wird,  verordnet der Arzt meist entweder Histaminhemmer oder Medikamente mit dem Wirkstoff Cromoglicinsäure. Das Problem dabei ist: Das Medikament hilft nur, wenn man es präventiv in die Augen träufelt. Im Idealfall sollte es bereits zwei bis drei Wochen vor Beginn des jeweiligen Pollenfluges verwendet werden. Trotz entsprechender Kalender, die Aufschluss über die Blütezeit der verschiedenen Pflanzen geben, weiß man trotzdem meist nicht genau, wann mit dem nächsten Pollenflug zu rechnen ist. Zum einen schwankt aufgrund des Wetters die Blütezeit der verschiedenen Bäume und Gräser doch erheblich. Zum anderen stimmen die Vorhersagen von Apps und Internetportalen nicht, da die meisten über kein flächendeckendes Netz an Wetterstationen verfügen. Als verlässlich hat sich die Stiftung deutscher Polleninformations-dienst erwiesen, die in ihrem Newsletter wöchentlich eine Vorhersage anbieten (www.pollenstiftung.de). Außerdem kann es bei der Anwendung dieser Tropfen zu vorübergehenden Augenbrennen kommen. Werden Antihistaminika während der allergischen Reaktion eingesetzt, können sie Trockenheit verursachen oder ein Brennen hervorrufen. Diese Nebenwirkung muss nun wiederum wieder mit Tränenersatzflüssigkeit gelindert werden.

Pflanzliche Heilmittel können helfen

Alternativ zu der Schulmedizin bietet die Anthroposophische Medizin sanfte natürliche Hilfe. Ihr Anliegen ist es, nicht nur die Krankheitssymptome zu lindern, sondern auch die Selbst-heilungskräfte des Körpers anzuregen. Je nach Beschwerdebild und -grad können diese Mittel eine schulmedizinische Behandlung durchaus ergänzen. Patienten können die Anthroposophischen Präparate aber auch als alternative Therapie nutzen. Diese natürlichen Heilmittel enthalten verdünnte Auszüge aus pflanzlichen, tierischen und mineralischen Stoffen und sind homöopathisch. Als Globuli eingenommen oder als Tropfen zur äußeren Anwendung sollen sie dem Körper einen kleinen Impuls geben, um aus eigener Kraft, wieder ins Lot zu kommen.

Globuli geben leichte Impulse

Bei allergischen Erkrankungen hat sich die Eichenrinde bewährt. Dass sie antiallergisch wirkt, weiß man erst seit kürzerer Zeit. Für die Herstellung einer Arznei verwendet man nur die glatte,  Spiegelrinde jüngerere Eichen, da diese über einen hohen Gehalt an Kalksalzen und Gerbstoffen verfügen. Diese wirken austrocknend, entzündungshemmend und stärken zudem den Darm. Damit wird zugleich auch die Ursache für die Entstehung der Allergie behandelt. Häufiger als man bislang glaubte, ist eine gestörte Darmflora daran beteiligt.

Auch die Berberitze hilft nicht nur bei Bindehautentzündungen und anderen akuten Entzün- dungen und Schwellungen der Schleimhäute, sondern soll zugleich den gesamten Organismus kräftigen. So setzt man den heilpflanzlichen Wirkstoff Berberin, der vor allem in der Wurzel vorhanden ist, auch bei Leberfunktions-störungen, Gallenleiden, aber auch bei Gelbsucht und Verdauungsstörungen ein. Kombiniert wird diese Substanz mit dem Mineralstoff Quarz, der bei allen Störungen der Sinnesorgane helfen soll.

Die Pflanze Augentrost: ihr Name hält, was er verspricht

Für die Herstellung von antiallergischen Augentropfen werden vor allem pflanzliche Auszüge genutzt. Neben den Heilpflanzen Schöllkraut und Sonnenhut, hat sich vor allem der Einsatz von Augentrost bewährt.  Ihrer deutschen Bezeichnung macht sie alle Ehre. Auf lateinisch heißt die zartblättrige kleine Pflanze, die vor allem auf trockenen Weiden und Magerwiesen wächst, Euphrasia, was so viel wie Wohlbefinden oder Freude bedeutet. Diesen Namen verdankt sie zum einen sicherlich ihrem schönen Aussehen, doch zum anderen auch ihrer wohltuenden Wirkung. Augentrost kann vor allem die typischen Symptome einer Allergie wie Schwellungen und Augenreizungen lindern. Augentrost hilft aber nicht nur bei Heuschnupfen, sondern auch bei trockenen und übermüdeten Augen, da die Pflanze beruhigend wirkt. Ihr Einsatzgebiet ist aber noch umfassender. So kann sie auch bei Augenerkrankungen, wie Lidödemen, Gerstenkorn oder Bindehautentzündung schnell Besserung bringen.

Schon die Menschen im Mittelalter wussten dies zu schätzen. Damals zerstieß man die Pflanze samt Blätter und Stängel und legte die noch feuchte Mischung auf die Augen. Oder man träufelte den ausgedrückten Saft in die Augen. Die Heilpflanze eignet sich als verdünnter Auszug auch für die innere Anwendung. Dabei helfen diese Globuli nicht nur gegen Heuschnupfen, sondern auch bei Husten, Heiserkeit und Nebenhöhlenentzündung. Sowohl Globuli als auch Augentropfen sind frei von Nebenwirkungen und rezeptfrei erhältlich.

Im Reich der Tiefe

Mit einem einzigen Atemzug 100 Meter tief zu tauchen, ist für die meisten Menschen eine beängstigende Vorstellung. Und auch der Wissenschaft gibt es Rätsel auf, wieso Freediver die tiefen Tauchgänge überleben. Wir haben mit Sara Campbell, der vierfachen Weltrekordlerin im Freediving gesprochen und etwas Licht ins Dunkel gebracht. Sie verriet dem neuen Achtsamkeitsmagazin moment by moment, dass Meditation für das Tieftauchen ein wichtiger Schlüssel ist.

Ein letzter tiefer Atemzug, dann klappt Saras Oberkörper nach vorne und sie taucht kopfüber in das Meer. Ihre Arme, zielgerade nach unten gestreckt, bewegt sie nicht. Nur die meerjungfräuliche Monoflosse an ihren Füßen pendelt wie ein Metronom hin und her und initiiert die Wellen, die ihren Körper rhythmisch von unten nach oben durchlaufen. Scheinbar mühelos gleitet sie Meter um Meter am Sicherungsseil in den Atlantik hinab. Ab einer Tiefe von 10 bis 15 Metern beginnt sie, der Erdanziehung zum Trotz anmutig und leicht durch den Ozean zu schweben. Dann beginnt sie, schneller zu sinken. Während sie allmählich in der totalen Finsternis des Ozeans verschwindet, steigt keine einzige Luftblase nach oben. Ganz offenkundig geschieht hier etwas, was mit dem vielzitierten gesunden Menschenverstand nicht so recht zu verstehen ist.

Nach drei Minuten und 34 Sekunden taucht die britische Freediverin wieder an der Wasseroberfläche auf. Nach kurzer Zeit steht das Ergebnis fest. 96 Meter tief ist sie getaucht und hat somit abermals einen Weltrekord-Titel im Apnoetauchen, wie die wissenschaftliche Bezeichnung für das Tauchen ohne Pressluftflasche heißt, geholt – und zwar in der Königsdisziplin „Konstantes Gewicht mit Flosse“.

Es sind bislang nur zwei Frauen 100 Meter tief getaucht!

Das war 2009 vor den Bahamas. Noch heute kann man auf Youtube ein Video ihres legendären Tauchgangs sehen. 2010 hatte Sara den Weltrekord-Titel an die Russin Natalia Molchanowa wieder abgeben müssen, nachdem ihre Freediving-Kollegin im ägyptischen Scharm al Scheich in 3 Minuten 50 Sekunden 101 Meter in die Tiefe getaucht war. Ein Jahr später gelang es Sara Campbell, bei einem Trainings-tauchgang sogar in eine Tiefe von 104 Meter hinabzusteigen. Somit sind Sara und Natalia die beiden einzigen Frauen, die jemals mehr als 100 Meter tief tauchten. Einen weiteren offiziellen Versuch, Natalias Rekord zu brechen, hat Sara Campbell seither nicht mehr unternommen. Vielleicht auch, weil die 44-jährige Russin Molchanowa 2015 vor der spanischen Insel Formentera von einem Trainings-tauchgang nicht mehr zurückkehrte. Der Ozean hatte die weltbeste Apnoetaucherin einfach verschluckt. Bis heute ist nicht geklärt, wie es dazu kommen konnte. Kritiker, die das Apnoetauchen für eine riskante und unberechenbare Sportart halten, fühlten sich bestätigt.

Freitauchen gibt der Wissenschaft Rätsel auf

Noch vor wenigen Jahren hielt auch die Wissenschaft es für unmöglich, dass Menschen in einer derartigen Tiefe überleben können. Forscher gingen davon aus, dass der Körper ab einer gewissen Tiefe einfach implodieren würde. Sara kennt die extremen Auswirkungen beim Apnoetauchen. „Alle zehn Meter verdoppelt sich der Druck. In einer Tiefe von 90 Metern habe ich statt 3,7 nur noch 0,3 Liter Atemluft, das ist weniger als ein Zehntel. Und der Pulsschlag verringert sich auf 20 bis 30 Schläge die Minute“, berichtet sie. Doch alle sieben Freediver-Disziplinen seien entgegen aller Vermutungen sehr sicher, sofern die Apnoetaucher die Sicherheitsregeln beachteten und sich professionell verhielten.

Beim Tauchen muss man sich dem Wasser voll anvertrauen

Freediving ist für Sara Campbell keine riskante, adrenalinsteigernde Sportart, sondern vielmehr eine spirituelle Erfahrung. „Wir können darauf vertrauen, dass es natürlich ist, in die Tiefe zu tauchen. Jeder Mensch verfügt über einen natürlichen Tauchreflex, den kann man aber nur aktivieren, wenn der Verstand zur Ruhe kommt und man stattdessen seine Intuition erhöht“, erläutert Sara. Erst dann könne man damit beginnen, den Verstand, der oft von inneren negativen Antreibern beeinflusst werde, zu transformieren. „Ich konnte nur deshalb 104 Meter tief tauchen, weil meine Seele meinen Verstand leitete und dieser wiederum meinen Körper dirigierte“, sagt die vierfache Weltrekordlerin.

In ihrer ägyptischen Wahlheimat Dahab, wo sie Anfänger und professionelle Sportler im Freediving unterrichtet, versucht sie, dieses intuitive Wissen an ihre Schüler weiterzugeben. Viele seien unglaublich ehrgeizig und begierig darauf, möglichst schnell die Technik zu erlernen. „Die meisten sind enttäuscht, wenn ich ihnen erkläre, dass Freediving weniger mit Technik zu tun. Es ist vielmehr eine Philosophie“. Eine der ersten Lektionen, die sie deshalb ihren Schülern erteilt, ist zu lernen, sich vom Wasser treiben zu lassen. Dazu müssen sie sich mit dem Rücken flach auf das Wasser legen und dürfen nur einen Finger auf eine Boje legen. „So erleben sie, dass der Ozean der Lehrer ist, der ihnen zeigt, wie man sich verhalten soll und sie sich ihm anvertrauen können. „Der Tauchgang ist vor allem dann beglückend, wenn man total loslassen kann und sich dem Augenblick komplett hingibt. Das ist purer Genuss“, schwärmt die 44-Jährige. Angst, Atemnot zu erleiden oder in Panik zu verfallen, kenne sie nicht. Ganz im Gegenteil. Den Atem unter Wasser lange anzuhalten, mache sie wirklich glücklich.

„Freediving ist Meditation unter Wasser“, schwärmt Sara Campbell

„Letztlich geht es beim Tauchen in großer Tiefe nicht um Erfolg und Leistung“, erklärt Sara. Sie sei nicht besonders interessiert am Wettbewerb. Was sie in die Tiefe des Ozeans zieht, sei vielmehr die Möglichkeit der spirituellen Erfahrung. Tieftauchen sei für sie nichts anderes als Meditation unter Wasser. Bevor Sara mit dem Freediving begann und nach nur neun Monaten Trainingszeit 2007 drei Weltrekord-Titel holte und 2007 erstmals die Weltmeisterschaft gewann, hatte die frühere PR-Beraterin viele Jahre lang intensiv Meditation und Yoga gelehrt. Eine ihrer Yoga-Schülerinnen, die auch Freediverin war, hatte beobachtet, dass Sara ihren Atem sehr lange anhalten konnte. Immer wieder bat sie ihre Yogalehrerin, sie beim Freediving zu begleiten und zu sichern. Schließlich willigte Sara ein und besuchte den Anfängerkurs im Freediving. Wider Erwarten fand Sara beim Freediving genau das, wonach sie ihr ganzes Leben lang gesucht hatte: die spontane Verbundenheit mit dem Universum und Gott, wie sie sagt: „Das ist der Moment, an dem man sich wieder unschuldig und rein fühlt“.

Achtsamkeit ist beim Tauchen oberstes Gebot

Meditation ist ein sehr geeignetes Mittel, um die Intuition zu fördern und ganz bei sich selbst zu sein. Diese Fähigkeit sei gerade beim Tauchen lebenswichtig, denn dabei müsse man jeden einzelnen Moment voll bewusst erleben und fokussiert sein, so Sara. Jeder Tauchgang entfalte sich von Moment zu Moment. „Ich muss mich in jeder Sekunde voll auf den physischen Prozess konzentrieren, so schaffe ich die beste Voraussetzung für die nächste Sekunde. Jeder einzelne Moment kann über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Weder beim Ab- noch beim Auftauchen, darf ich deshalb in keinem Augenblick die Präsenz verlieren. Dabei werde ich jeden Moment mit mir selbst konfrontiert, denn ich kann die Verantwortung an niemanden delegieren. So gesehen, haben wir beim Tieftauchen die einzigartige Möglichkeit, uns selbst in aller Wahrhaftigkeit zu begegnen“.

Weitere Infos unter:

www.discoveryourdepths.com

www.yogaforfreediving.com

Charakterkunde: „Ich bin auch immer der andere“

Die Philosophin Ariadne von Schirach beschreibt in ihrem neuen Buch „Ich und Du und Müllers Kuh“ die emotionale Grundstruktur und den kommunikativen Stil von sechs menschlichen Charakteren. Dabei lernt man nicht nur, andere besser zu verstehen, sondern „kommt sich gelegentlich auch selber auf die Schliche“.

Inge Behrens: Wie sind Sie auf den Titel „Ich und Du und Müllers Kuh“ verfallen?

von Schirach: Man kann das Buch als Nachdenken über verschiedene Beziehungen verstehen, also den Umgang mit sich, dem Anderen und der Welt. Diese drei Ebenen spiegeln sich auch in diesem alten Abzählreim. „Ich und Du und Müllers Kuh; Müllers Esel der bist Du“. Wir sind alle mal bei uns, mal ganz anders und immer mal wieder: Müllers Kuh oder Esel.

IB: An wen richtet sich Ihr Buch und was ist die Intention Ihres Buches?

von Schirach: Jeder Mensch ist eine Gesellschaft, sagt Sigmund Freud. In der Charakterkunde geht es deshalb nicht darum, sich und andere in Schubladen zu stecken, sondern darum, den vielen widersprüchlichen Impulsen und Stimmen in sich Raum und Gestalt zu geben. Und dadurch letztlich nicht nur sich, sondern auch seine Mitmenschen besser zu verstehen.

IB: Warum haben Sie als studierte Philosophin ein psychologisches Buch über die sechs Hauptcharaktere geschrieben?

Ariadne von Schirach: „Erkenne dich selbst“ stand über dem Orakel von Delphi und war das Credo von Sokrates. Wenn wir die Welt, unsere Gesellschaft und unsere Mitmenschen verstehen wollen, müssen wir bei uns selbst anfangen. Und dort finden wir immer das Gleiche. Widersprüche und Ambivalenzen, das vielstimmige Konzert unserer Lebendigkeit.

„Ich bin auch immer der andere“

 IB: Sie schreiben, dass Sie diese Charaktertypen als Gestalten, gewissermaßen als Figuren sehen. Können Sie bestimmte Filmfiguren oder bekannten Personen ihren sechs Typen zuordnen?

von Schirach: Dieser Versuchung würde ich, was die realen Vorbilder angeht, gerne widerstehen, obwohl man mit Donald Trump gerade einen Vollblutnarzissten in action beobachten kann. Aber blicken wir mal ins Fiktionale: Der einsame Wolf beispielsweise in Gestalt von Batman ist eher schizoid, gnadenlose Bürokraten wie Stromberg tragen zwanghafte Züge. Bei Sherlock Holmes ist Watson ein Depressiver, während Holmes ein Schizoider ist. Man könnte allerdings darüber sprechen, ob dieser nicht auf schon narzisstische Weise das Bild des unfehlbaren Detektives bedient. Obwohl es verführerisch ist, seine Mitmenschen zuzuordnen, sollte man sich bewusst sein, dass nur der Blick nach innen zu echtem Verständnis und damit auch zu mehr Toleranz und einem liebevolleren Umgang führt. Man selbst ist eben auch so einer. In jedem Menschen sind alle Strukturen angelegt, deshalb können wir uns tatsächlich verstehen. Jeder hat schon mal die Kontrolle verloren, tiefe Unsicherheit gespürt oder ist schon einmal strahlender Mittelpunkt von irgendwas gewesen, wie es der Hysteriker so kindisch einfordert, und jeder stand schon mal traurig im Abseits, wo sich der Depressive verordnen würde.

IB: Hinter allen Charakterformen stecke Leid, schreiben Sie in Ihrem Buch. Diese Einsicht sei die Voraussetzung, um sich mit Menschen zu solidarisieren und sie überhaupt verstehen zu wollen. Müssen wir uns auch mit Menschen, die wir unsympathisch finden, solidarisieren?

von Schirach: Wir Menschen wachsen am Widerstand, und finden oft erst über dem Umweg des Anderen zu uns selbst. Zudem ist meist das, worauf man besonders allergisch ist, etwas, das man über sich selbst nicht wissen will. Eigener menschlicher Fortschritt zeigt sich ebenfalls meist als wachsende Toleranz „schwierigen“ Mitmenschen gegenüber. Wenn einen nichts mehr stört, ist man angekommen. Bis zur nächsten Krise (lacht).

IB: Wann hört denn Ihr Verständnis für Menschen auf?

von Schirach: „Ich bin ein Mensch, nichts Menschliches ist mir fremd“. Auch dieser Satz beruht auf Selbsterkenntnis – nur wenn ich meine eigene Dunkelheit, also meine Gier, meine Eitelkeit, meine Bequemlichkeit und den ewigen Wunsch, etwas Besseres zu sein, anerkenne, verstehe ich den Anderen, anstatt ihn von oben herab zu beurteilen. Hier, in meiner eigenen Seele, werden auch die ersten und die wichtigsten Schlachten geschlagen, denn Verständnis bedeutet eben nicht Akzeptanz. Es gibt Dinge, die kann man verstehen, aber man darf sie nicht zulassen: weder bei sich noch bei Anderen.

„Verständnis bedeutet eben nicht Akzeptanz“

IB: Zu welchen der sechs Hauptcharaktere würden sie sich denn selber zählen?

von Schirach: Es ist mir wirklich gleichgültig, was andere von mir denken und doch will ich ihnen unbedingt gefallen. Bei mir trifft also schizoide Eigenständigkeit auf hysterische Aufmerksamkeitswünsche. So kann man sich wirklich gründlich im Weg stehen – bis man mal genauer hinschaut. Nur wer seine eigenen, oft eben widersprüchlichen Bedürfnisse kennt und zulässt, kann sie leben. Für mich bedeutet das, dass ich den Schizoiden in mir die Bücher schreiben lasse, den Hysteriker immer mal wieder auf die Bühne ins Rampenlicht schicke und ich dem in meinem Leben lange eher vernachlässigten depressiven, Zeit gebe, um mich für dessen Tugenden zu öffnen: Vertrauen haben, geschehen lassen, lieben lernen.

IB: Und wie geht man am besten mit Ihnen um?

von Schirach: Behandle den anderen stets so, wie du selbst behandelt werden möchtest. Dem ist nicht viel hinzuzufügen.

INFO: Ariadne von Schirach studierte Philosophie in München und Berlin. Sie arbeitet als freie Journalistin und Kritikerin und wurde als Autorin der Sachbuch-Bestseller „Der Tanz um die Lust“ und „Du sollst nicht funktionieren“ bekannt.

 

Radeln mit ´nem Koffer voller Gedichte

Die Gedichte-Rezitatorin Anna-Magdalena Bössen radwanderte 8160 Kilometer weit durch ganz Deutschland. Überall dort, wo sie bei Privatleuten Unterkunft fand, rezitierte sie Gedichte. Lesen Sie den Bericht über ihre Erfahrungen und Entdeckungen auf ihrer langen Gedichtetournee mit dem Rad.

In jedem von uns steckt ein kleiner Vagabund. Doch die eigene Komfortzone zu verlassen und die bisherige Existenz an den Nagel zu hängen, traut sich kaum einer. Letztlich geht den meisten Sicherheit über alles.

Sehnsucht nach Gemeinschaft und Verbundenheit

Anna Magdalena Bössen jedoch, hat sich getraut. Sie radelte zwei Jahre lang durch ganz Deutschland, im Gepäck nur zwei Satteltaschen mit Funktionskleidung und einen gelben Koffer voller Gedichte. Mehr als 8100 Kilometer legte sie auf ihrem Drahtesel zurück und nächtigte hunderte Male bei fremden Familien. Und rezitierte überall dort, wo sie eingeladen wurde, ihre Gedichte. Der Bekanntenkreis ihrer Gastgeber bildete jeweils das Publikum für ihre Gedicht-Lesung. Ein Unternehmen, das trotz einer halbjährigen Planungs- und Vorbereitungszeit unwägbar und somit riskant blieb. So war sie oft nicht sicher, ob sich Gastgeber finden würden. Und häufig genug traten auch unvorhersehbare Ereignisse auf, sei es ein Hexenschuss auf der Strecke oder Unwetter, das die Weiterfahrt unmöglich machte.

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Die diplomierte Gedichte-Rezitatorin war vor ihrer Radtour an einem Punkt in ihrem Leben angekommen, an dem sie nicht mehr so recht wusste, wie es beruflich und privat in ihrem Leben weitergehen sollte. Acht Jahre lang hatte sie nach ihrem Studium an der staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart als Sprechcoach und Veranstalterin ihrer Firma „textouren“ in Hamburg gearbeitet. Ihre Literaturschauspiele bot sie in ungewöhnlicher Kulisse, beispielsweise im Hamburger Hafen dar und machte so Rezitation zum Erlebnis. Irgendwann sei sie auf die Idee gekommen, eine literarische Reise durch ganz Deutschland zu machen. Das Motiv für ihre Reise sei eine Mischung aus Fernweh und Neugier gewesen, erklärt sie im Vorwort zu ihrem  Buch „Deutschland, ein Wandermärchen“. „Außerdem sehnte ich mich nach Verbundenheit und einer größeren Gemeinschaft“, erinnert sie sich. Deshalb wollte sie herausfinden „Bin ich Deutschland? Und „Was bedeutet eigentlich Heimat für mich?“ Auf all diese Fragen erhoffte sie sich auf ihrer großen Reise Antworten zu finden. Dafür war sie bereit, eine Menge aufs Spiel zu setzen. Sie tauschte finanzielle Sicherheit ebenso wie ihre Privatsphäre und Selbstbestimmung gegen Unsicherheit, Abenteuer und Gottvertrauen.

Ein Leben voller Unsicherheit und Unwägbarkeiten
Zwei Jahre lang radelte sie von Ort zu Ort, scheute auch nicht davor zurück, eine Hallig in der Nordsee zu besuchen, schraubte sich an der Ostseeküste bis nach Flensburg hoch, und schlängelte sich von dort wieder gen Osten. Sie bezwang mit dem Rad so manchen Alpenausläufer. Ihre Radtouren seien alles andere als idyllisch gewesen, sagt Bössen auf ihrer Premiere im Hamburger Theatersalon „Zweite Heimat“. Oft sei sie durch das lange Unterwegssein, aber auch die vielen Eindrücke nicht nur an ihre physischen, sondern auch an ihre psychischen Grenzen gekommen. Ab und zu auch wurden ihre Erwartungen enttäuscht. So hatte sie sich vom Besuch eines Ortes am Bodensee, Momente der Erholung und Erfrischung erhofft. Stattdessen musste sie sich auf dem Weg zur Gastgeberin, die im Hochland wohnte, bei sengender Hitze acht Kilometer den Berg hinaufkämpfen, vorbei an Touristenschwärmen, fahrenden und parkenden Autokolonnen, die ihr den Blick auf den See verstellen. Von Naturidylle keine Spur! Als ein Passant sie dann noch beschimpfte, habe sie ihr Rad ins Gras geschmissen und sei laut schluchzend auf einen Heuballen geklettert. Zum Glück holte die Gastgeberin die erschöpfte und demoralisierte Gedichtrezitatorin mit dem Auto ab.

Mit ihren Gastgebern habe sie nur gute Erfahrungen gemacht und noch heute sei sie erstaunt darüber, welch einen großen Vertrauensvorschuss sie ihr gewährt hätten, berichtet sie. „Das in mich gesetzte Vertrauen wollte ich keinesfalls enttäuschen. Schließlich war ich zu Gast und so ließ ich mich für 48 Stunden auf ihr fremdes Leben ein. Oft musste ich mich meine eigenen Bedürfnisse zurücknehmen und mich in Geduld üben“. Dafür bekam sie jedoch viel von ihren Gastgebern – oftmals Müttern von erwachsenen Kindern – zurück. „Sie erkannten auf den ersten Blick, wie es mir ging und was ich brauchte“, berichtet Bössen.

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Am zweiten Abend ihres Aufenthaltes trat sie meist mit ihrem Koffer-Programm auf. Bei ihren Auftritten, die in kuscheligen Wohnzimmern, in kargen Rathaussälen oder auch mal in unüber-sichtlichen Schiffsbäuchen stattfanden, gab es keine Bühne, keine Kulisse und nicht mal einen Scheinwerfer. Als einzige Requisiten dienten ihr ein Küchenstuhl und ihr ausrangierter gelber Koffer, den sie auf dem Dachboden gefunden hatte. In Zeiten, in denen digitale Medien ständige Ablenkung versprechen und die nächste Info immer nur einen Klick weit entfernt ist, erscheint es schon beinahe anmaßend, das Publikum nur mit einem reinen Gedichtvortrag in den Bann ziehen zu wollen. Dennoch ist ihr dies oft genug geglückt. Wer ihre weiche volle Altstimme einmal gehört hat, den wundert das nicht. Schillers dramatisches Gedicht „die Bürgschaft“ trägt sie ebenso gut wie Goethes bekannte Verse „Willkommen und Abschied“ vor. Sie kann aber auch anders, beherrscht nicht nur die Rezitation klassischer Balladen. Den „Vaga-bundenspruch“ von Mascha Kaléko oder das fast unaussprechliche Dada-Gedicht „Karawane“ von Hugo Ball trägt sie mit leichter heiterer Stimme im rasanten Tempo vor.

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Deutsche haben auch Humor
Auf ihren Reisen habe sie viel über „den Deutschen“ gelernt, nämlich dass dieser nicht nur die alt- und allseits bekannten Tugenden Disziplin, Genauigkeit und Pünktlichkeit, sondern viele weitere gute Eigenschaften wie Eigensinn, Gelassenheit und vor allem Humor besitzt! Als Beweis rezitiert sie auf der Bühne im Hamburger Theatersalon rasch hintereinander gleich mehrere kurze Gedichte, darunter Ernst Jandls „Sommerlied“ und Heinz Erhardts Gedicht
„der Berg“.

Der Weg habe sie viele Tränen gekostet, noch mehr Muskelkater und jede Menge schlaflose Nächte, konstatiert sie. Aber er habe ihr auch etwas Unbezahlbares geschenkt. „Heute habe ich mehr Vertrauen ins Menschsein, sowohl mehr Vertrauen in mich selber als auch in meine Mitmenschen, ich habe meine große Liebe und eine Heimat gefunden, die ich mit jedem Schritt meines Lebens in die Zukunft trage“.

Fotos: Michael Olbert